Flüssiggas
Flüssiggas ist Gas, das durch Kompression und/oder Kühlung in den flüssigen Aggregatzustand gebracht wird, um es besser lagern, transportieren und technisch einsetzen zu können. Prinzipiell kann jedes Gas verflüssigt werden, allerdings sind bei manchen Gasen dazu sehr hohe Drücke und sehr niedrige Temperaturen nötig. Am verbreitetsten sind die Gase Propan und Butan, diese sind im Sprachgebrauch auch gemeint, wenn ein Gemisch als Flüssiggas gehandelt wird. Es hat sich hierfür die Bezeichnung LPG für Liquefied Petroleum Gas durchgesetzt, seit dieses Flüssiggas in Kfz getankt wird. Dieses Flüssiggas ist, anders als zum Beispiel flüssiger Sauerstoff oder Stickstoff, sehr gut handhabbar, es bleibt selbst bei Raumtemperatur unter nur geringem Druck flüssig. Gewonnen wird es als Nebenprodukt in Erdölraffinerien, daher ist es sehr preiswert. Eine chemisch ganz andere Variante ist LNG (Liquefied Natural Gas - verflüssigtes Erdgas), auch als CNG (Compressed Natural Gas - komprimiertes Erdgas) verfügbar.
Einsatz des Flüssiggases LPG
LPG wird schon sehr lange zum Heizen und Kochen verwendet, zum Beispiel auch beim Camping, es findet sich in Sprühdosen als Treibgas und als Kältemittel in Klimaanlagen und Kühlschränken. Seit einigen Jahren hat sich die Entwicklung von LPG-getriebenen Kraftfahrzeugen erheblich entwickelt, allerdings ist der Einsatz in Kfz nicht neu, sondern geht auf die 1930er Jahre zurück und erlebte schon in den 1970er Jahren einen großen Aufschwung. In einigen Teilen der Welt, zum Beispiel in Indien oder Istanbul, wird fast der komplette öffentliche Nahverkehr inklusive Taxis mit LPG betrieben, auch die Stadt Wien verfolgt solche Konzepte. LPG ist sehr umweltfreundlich, die Schadstoffbelastung sinkt erheblich. Bei gleicher Leistung wird der Ausstoß von Stickoxiden um 80 Prozent, CO2 um 15 Prozent und unverbrannten Kohlenwasserstoffen um 50 Prozent gesenkt. LPG-Abgase sind in Katalysatoren besser zu reinigen, daher dürfen LPG- und auch LNG-Gabelstapler in geschlossenen Räumen eingesetzt werden. LPG gibt es in unterschiedlichen Mischungen, Hauptbestandteile sind in der Regel Propylen (Propen C3H6), Propan C3H8, Butylen (Buten C4H8), Butan C4H10 und seltener Methylpropan und Methylpropen. Autogas und Campinggas besteht fast immer nur aus Propan und Butan. Auch zu Heizzwecken wird LPG sehr gern eingesetzt, besonders für Einfamilienhäuser mit separaten Gastanks ist es gut geeignet und wirkt auch hierbei sehr umweltfreundlich. In Südeuropa wird traditionell mit LPG gekocht, in Deutschland ist es eher beim Camping verbreitet.
Lagerung und technische Handhabung von Flüssiggas
Flüssiggas ist gut in Tanks unterzubringen, da es bei normalen Temperaturen unter geringem Druck flüssig bleibt. Die Gastanks für Einfamilienhäuser werden oberirdisch aufgestellt und durch Tankfahrzeuge befüllt, sie fassen oft mehrere Tausend Liter und reichen über mehr als eine Saison. Schon 8 bar Druck genügen zur Verflüssigung, das Volumen verringert sich dabei gegenüber dem gasförmigen Zustand auf nur noch rund 0,4 Prozent. Gasförmiges LPG bildet mit Luft schon ab rund 2 Prozent Anteil ein explosives Gemisch und ist entsprechend umsichtig zu handhaben (Vorsicht bei Undichtigkeiten). Es ist jedoch weit weniger giftig als haushaltsübliches Erdgas. Bei normalem atmosphärischem Druck liegt der Siedepunkt je nach Mischung zwischen -42° Celsius (reines Propan) und -0,5° Celsius (reines Butan). Wenn Flüssiggas transportiert wird, benötigen die Fahrzeuge eine entsprechende Gefahrgutkennzeichnung. In Kraftfahrzeugen wird es in einen separaten Tank gefüllt, die Fahrzeuge verfügen über einen zusätzlichen Benzintank. Es benötigt etwas mehr Platz als Benzin, da es bei vergleichbarer energetischer Leistung etwa 20 Prozent mehr Volumen verbraucht. Zum Kochen oder für Campingzwecke gibt es die Propan- oder Butangasflaschen mit Füllmassen von meist 5, 11 oder 34 Kilogramm. Flaschen bis maximal 14 Kilogramm dürfen in deutschen Haushalten zum Kochen eingesetzt werden, sie müssen aber durch einen Sachkundigen nach TRF 1996 abgenommen werden. Auch in Feuerzeugen findet sich Butan, wobei es durch den relativ hohen Siedepunkt bei 0,5° Celsius bei richtigem Frost nicht mehr vergast. Das ist der Grund, warum Feuerzeuge im Winter oft versagen.